NGC 1893 und IC 410 – Sternentstehung mit kosmischen „Kaulquappen“

Im Sternbild Auriga (Fuhrmann) liegt eine eindrucksvolle Region aktiver Sternentstehung: der junge offene Sternhaufen NGC 1893, eingebettet in den ausgedehnten Emissionsnebel IC 410. Gemeinsam bilden sie ein dynamisches Zusammenspiel aus Sterngeburt, Strahlung und kosmischer Formgebung.

NGC 1893 s

Ort: Schwedt/Oder; Datum: 18.01.2026, 20:01 MEZ bis 19.01.2026, 04:56 MEZ
Teleskop: Seestar S50; 1221 Bilder je 10 s = 3h 23m 30s in 4K-Qualität unter Verwendung der Anti-Tau-Funktion.
Gestapelt: 1221 Bilder mit Seestar APP und leicht bearbeitet mit Astroart.

NGC 1893 – Ein sehr junger Sternhaufen

NGC 1893 ist ein außergewöhnlich junger offener Sternhaufen. Seine Sterne entstanden erst vor etwa 2–5 Millionen Jahren – kosmisch betrachtet also vor sehr kurzer Zeit.
Grunddaten
  • Objekttyp: Offener Sternhaufen
  • Entfernung: ca. 10.000–12.000 Lichtjahre
  • Alter: 2–5 Millionen Jahre
  • Scheinbare Helligkeit: etwa 7,5 mag
  • Durchmesser: rund 10–15 Bogenminuten
Die hellsten Sterne gehören zu den Spektralklassen O und B. Diese heißen, massereichen Sterne senden enorme Mengen ultravioletter Strahlung aus. Genau diese Strahlung ionisiert das umgebende Gas – und lässt IC 410 rot aufleuchten.

IC 410 – Eine leuchtende Wasserstoffwolke

IC 410 ist eine klassische H-II-Region, also eine große Wolke aus ionisiertem Wasserstoff. Die charakteristische rötliche Färbung entsteht durch die Hα-Emission, ein typisches Leuchten angeregten Wasserstoffs.
Grunddaten
  • Objekttyp: Emissionsnebel
  • Entfernung: ca. 12.000 Lichtjahre
  • Ausdehnung: etwa 40 Bogenminuten
  • Tatsächliche Größe: mehrere Dutzend Lichtjahre
Der Nebel wird vollständig von den jungen Sternen in NGC 1893 beleuchtet und gleichzeitig langsam von ihrem Sternwind geformt.

Die „Tadpoles“ – Sim 129 und Sim 130

Besonders auffällig innerhalb von IC 410 sind zwei dunkle, längliche Strukturen, die als die „Tadpoles“ (Kaulquappen) bekannt sind. Sie tragen die Katalogbezeichnungen:
  • Sim 129
  • Sim 130
Diese Gebilde sind dichte Staub- und Gaswolken, die vom intensiven Strahlungsdruck und Sternwind der jungen O-Sterne geformt werden. Ihre längliche Form entsteht dadurch, dass die Vorderseite – der „Kopf“ – dem Strahlungsdruck standhält, während das Material dahinter wie ein Schweif nach hinten ausgezogen wird. Solche Strukturen nennt man Evaporating Gaseous Globules (EGGs) – verdampfende Gasglobulen. Sie sind möglicherweise selbst noch Orte weiterer Sternentstehung.

Ein aktives Sternentstehungsgebiet
In dieser Region beobachten wir mehrere Prozesse gleichzeitig:
  • die Entstehung junger Sterne
  • das Aufleuchten ionisierten Wasserstoffs
  • die Formung dichter Staubwolken durch Strahlungsdruck
  • den langsamen Abtrag der ursprünglichen Molekülwolke
NGC 1893 und IC 410 zeigen somit nicht nur Sterne – sondern eine kosmische Wechselwirkung zwischen Sternen und ihrer Geburtsumgebung.

Ein Blick in die ferne Vergangenheit
Das Licht dieser Region war rund 12.000 Jahre unterwegs, bevor es auf der Erde aufgezeichnet wurde. Wir sehen diese Sternentstehung also so, wie sie stattfand, als die ersten menschlichen Hochkulturen gerade erst entstanden. Dass eine kompakte Optik wie das Seestar S50 diese ferne und komplexe Region sichtbar machen kann, zeigt eindrucksvoll, wie leistungsfähig moderne Astrofotografie heute geworden ist.