Messier 101 – Die Feuerrad-Galaxie im Großen Bären

Ort: Schwedt/Oder; Datum: 18.02.2026, 20:46 bis 19.02.2026, 03:00 MEZ
Teleskop: Seestar S50; 1327 Bilder je 10 s = 3h 41m 10s in 4K-Qualität unter Verwendung der Anti-Tau-Funktion.
Gestapelt und bearbeitet mit der Astroart
Mitten im Sternbild des Großen Bären steht – unscheinbar im Okular, aber überwältigend auf lang belichteten Aufnahmen – eine der schönsten Spiralgalaxien des Nordhimmels: Messier 101. Wegen ihrer markanten, weit ausladenden Spiralarme trägt sie auch den Namen Feuerrad-Galaxie (engl. Pinwheel Galaxy).
Grunddaten
- Objekttyp: Spiralgalaxie (Typ Sc)
- Sternbild: Großer Bär
- Entfernung: ca. 21 Millionen Lichtjahre
- Durchmesser: etwa 170.000 Lichtjahre
- Scheinbare Helligkeit: ca. 7,9 mag
- Winkelausdehnung: etwa 28 × 26 Bogenminuten
- Entdeckt von: Pierre Méchain im Jahr 1781
- In den Messier-Katalog aufgenommen durch Charles Messier
Eine riesige Spiralgalaxie – größer als die Milchstraße
Mit einem Durchmesser von rund 170.000 Lichtjahren ist M 101 sogar größer als unsere eigene Milchstraße. Ihre Spiralarme sind locker gewunden und reich an Gas- und Staubwolken. Genau dort entstehen ständig neue Sterne – helle, bläuliche Riesensterne, die die Arme wie funkelnde Perlenketten strukturieren. Auffällig ist die Asymmetrie der Galaxie: Die Spiralarme sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Das liegt vermutlich an gravitativen Wechselwirkungen mit kleineren Begleitgalaxien, die M 101 im Laufe ihrer Geschichte „verzogen“ haben.
Sternentstehung im großen Stil
M 101 ist ein Paradebeispiel für aktive Sternentstehung. In ihren Spiralarmen finden sich zahlreiche sogenannte H-II-Regionen – riesige Gaswolken, die durch junge, heiße Sterne zum Leuchten angeregt werden. Eine besonders große Sternentstehungsregion ist NGC 5461, die selbst in Amateuraufnahmen mit ausreichender Belichtungszeit als heller Knoten sichtbar werden kann.
Schwieriger als man denkt
Obwohl M 101 mit 7,9 mag relativ hell erscheint, ist sie visuell überraschend schwierig zu beobachten. Der Grund: Ihre enorme Flächenausdehnung verteilt das Licht auf eine große Fläche. Dadurch wirkt sie im Teleskop eher diffus und kontrastarm. Erst fotografisch – besonders mit längerer Integrationszeit – zeigt sie ihre ganze Pracht: die fein strukturierten Spiralarme, dunkle Staubbänder und leuchtende Sternentstehungsgebiete.
Ein kosmisches Feuerwerk: Supernovae in M 101
In M 101 wurden mehrfach Supernovae beobachtet. Besonders bekannt ist die Supernova von 2011 (SN 2011fe), die in Amateurinstrumenten gut sichtbar war und intensiv wissenschaftlich untersucht wurde. Solche Explosionen liefern wertvolle Informationen über Sternentwicklung und kosmische Entfernungsbestimmungen.
M 101 als Rekordhalterin
M101 ist eine Rekordhalterin. Keine andere Galaxie beherbergt so viele (mindestens neun) eigene NGC-Objekte in ihren Armen. Hier die Deep Sky Objekte, die über das obige Foto identifiziert werden konnten.
- NGC 5447: Eine der hellsten und größten HII-Regionen in M101. Oft zusammen mit NGC 5450 als eine einzige, leuchtende Struktur in einem der Spiralarme sichtbar. Im Bild ist nur NGC 5450 gekennzeichnet)
- NGC 5449: Ein dichter Sternhaufen oder eine sehr kompakte Sternwolke, die Teil eines größeren Sternentstehungskomplexes ist.
- NGC 5450: Wie NGC 5447 eine helle HII-Region. Sie erscheint optisch so nahe an NGC 5447 (im Bild nicht gekennzeichnet), dass beide gemeinsam wie eine große, leuchtende Wolke wirken.
- NGC 5451: Ein weiteres massereiches Sternentstehungsgebiet in den äußeren Spiralarmen.
- NGC 5453: Eine HII-Region, die von jungen, heißen Sternen zum Leuchten gebracht wird. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich darin viele einzelne, sehr helle Sterne.
- NGC 5455: Eine kompakte, aber sehr leuchtkräftige Region aktiver Sternentstehung.
- NGC 5458: Ein Gebiet, das reich an jungen, massereichen Sternen ist – oft als Sternassoziation klassifiziert.
- NGC 5461: Eine der herausragendsten HII-Regionen in M101, extrem hell und ein Hotspot der Sternentstehung.
- NGC 5462: Wie NGC 5461 eine sehr helle HII-Region, die das Ende eines der großen Spiralarme markiert.
- NGC 5477: Im Gegensatz zu den anderen Objekten ist dies eine eigenständige, wenn auch kleine, Begleitgalaxie von M101. Sie ist Teil der M101-Galaxiengruppe und ihre Gravitation hat wahrscheinlich die Spiralstruktur von M101 mitgeformt.
- PGC 49919: Eine sehr lichtschwache Begleitgalaxie oder ein Teil einer solchen. Genaue Daten sind oft nur in spezialisierten Datenbanken zu finden.
- PGC 2464645: Wie PGC 49919 ein sehr lichtschwaches Objekt. Die Bezeichnung "PGC" steht für den "Principal Galaxies Catalogue". Es handelt sich höchstwahrscheinlich um eine Hintergrundgalaxie, die weit entfernt hinter M101 liegt, oder um einen sehr kleinen Begleiter.
- PGC 4539771: Auch dies ist eine Bezeichnung aus dem Principal Galaxies Catalogue. Es handelt sich um ein extrem lichtschwaches Objekt, bei dem es sich sehr wahrscheinlich um eine Hintergrundgalaxie weit jenseits von M101 handelt.
Wenn Sie M 101 fotografiert haben, blicken Sie 21 Millionen Jahre in die Vergangenheit. Das Licht, das heute auf Ihrem Sensor landet, hat die Galaxie verlassen, als auf der Erde noch frühe Säugetiere lebten. M 101 ist damit nicht nur ein ästhetisch beeindruckendes Objekt, sondern auch ein Fenster in die kosmische Geschichte – eine riesige Sternenstadt, in der Milliarden Sonnen ihre eigene Geschichte schreiben.